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Koordinationsstörungen im Schulalter behandeln

Wenn Kinder beim Schreiben, Laufen oder Werfen hinter Gleichaltrigen zurückbleiben, denken viele zunächst an mangelnde Übung oder Konzentrationsprobleme. Doch manchmal steckt mehr dahinter. Koordinationsstörungen im Schulalter betreffen die gezielte Bewegungssteuerung – also das reibungslose Zusammenspiel von Nervensystem und Muskulatur. Solche Störungen treten häufiger auf, als viele denken, und können schulische sowie soziale Entwicklungen stark beeinflussen. Laut DGSPJ zeigen etwa 6–10 % der Grundschulkinder Auffälligkeiten in der motorischen Koordination. Umso wichtiger ist es, frühzeitig hinzuschauen.

Mögliche Ursachen für Koordinationsstörungen im Schulalter

Koordinationsstörungen im Schulalter haben viele Gesichter und ebenso vielfältige Ursachen. In einigen Fällen handelt es sich um sogenannte „umschriebene Entwicklungsstörungen der motorischen Funktionen“ (UEMF), die ohne erkennbare körperliche Erkrankung auftreten. Auch sensorische Integrationsstörungen, muskuläre Schwächen, Gleichgewichtsstörungen oder neurologische Faktoren wie leichte cerebrale Bewegungsstörungen können eine Rolle spielen.

Zudem können psychosoziale Einflüsse wie Bewegungsmangel, übermäßige Bildschirmzeiten oder ein geringes Selbstvertrauen die motorische Entwicklung negativ beeinflussen. Eine klare Differenzialdiagnose durch Fachärzt*innen oder spezialisierte Therapeut*innen ist entscheidend, um die passende Unterstützung auszuwählen.

Woran erkennen Eltern und Lehrkräfte die Probleme?

Koordinationsstörungen im Schulalter zeigen sich häufig durch eine Kombination typischer Merkmale. Kinder wirken tollpatschig, stoßen sich oft an, lassen Gegenstände fallen oder haben Schwierigkeiten beim Balancieren. Auch die Handschrift kann auffällig langsam oder verkrampft sein. In Sportstunden vermeiden betroffene Kinder oft Bewegungsaufgaben oder wirken überfordert – was nicht selten zu sozialem Rückzug führt.

Ein weiteres Warnsignal ist die auffällige Ermüdung bei Alltagsbewegungen. Während andere Kinder mühelos Radfahren oder Klettern, geraten Betroffene schnell an ihre körperlichen Grenzen. Wichtig: Solche Hinweise sind kein Beweis, sondern Anlass für eine professionelle Abklärung – zum Beispiel bei einer physiotherapeutischen Erstuntersuchung.

Diagnostik und Einordnung im therapeutischen Kontext

Eine gezielte Untersuchung durch Kinderärzt*innen, Ergotherapeut*innen oder Physiotherapeut*innen bildet die Grundlage. Tests wie der MOT 4–6 oder der Movement ABC-2 helfen, motorische Kompetenzen objektiv einzuordnen. Auch die Beobachtung des Bewegungsverhaltens im Alltag liefert wichtige Hinweise.

Je nach Befund erfolgt eine individuelle Zuordnung der Koordinationsstörung. Dabei wird geprüft, ob sie isoliert auftritt oder im Zusammenhang mit weiteren Entwicklungsstörungen steht – etwa ADHS, Sprachverzögerungen oder Lernschwierigkeiten. Eine frühe Einordnung hilft, gezielte Fördermaßnahmen zu beginnen und Überforderungen zu vermeiden.

Koordinationsstörungen im Schulalter behandeln: Ansätze aus der Praxis

Die Therapie richtet sich nach dem individuellen Bedarf des Kindes. Physiotherapie kann gezielt das Gleichgewicht, die Körperspannung und die Bewegungsplanung fördern. Spielerische Übungen mit Geräten, Bewegungsspiele oder koordinative Trainings fördern motorische Fertigkeiten ohne Überforderung. Auch Ergotherapie kann sinnvoll sein – etwa bei Problemen mit der Feinmotorik oder beim Schreiben.

Wichtig ist ein Umfeld, das Mut macht und Erfolge sichtbar macht. Kinder brauchen Zeit, Geduld und eine klare Struktur, um Vertrauen in die eigene Bewegung zurückzugewinnen. Schulen können durch bewegte Pausen, gezielte Sportförderung und Sensibilisierung des Kollegiums einen großen Beitrag leisten.